Casa Toscana, Pattscheid

Casa Toscana, Pattscheid

WO DIE TOSKANA GANZ NAH IST.

In einer Gedankenschleife meines letzten Toskana-Urlaubs hängend, fahre ich Richtung Bergisch Neukirchen. Kilometer um Kilometer wird es hügeliger, dörflicher. In Pattscheid parke ich an der Burscheider Straße. Die Autotür schwingt auf, ich atme Landluft. Nachdem ich die schwere Holztür der Casa Toscana geöffnet habe, luge ich durch die Schwingtüren, die in den Gastraum führen.

„Buona sera.“ Der freundliche Kellner nickt mir zu und weist mir spontan mit einer Handbewegung einen Tisch am Fenster zu. Wie lässig und doch verbindlich. Genau das brauche ich jetzt: ein authentisches Stück Italien.

Ein Blick in die Karte. Der toskanischen Küche wird Schlichtheit nachgesagt. Ja, auch die findet man hier. Die Küche der Casa Toscana bietet eine klassische Band-breite von Pasta über Fleisch bis Fisch. Pizza sucht man auf der Karte vergeblich – stattdessen wird Pinsa serviert, die Pizza 2.0. Ihre Geschichte reicht bis ins alte Rom zurück. Der Name leitet sich vom lateinischen pinsere ab, was so viel bedeutet wie „zerdrücken“ oder „zerquetschen“. Bauern zermahlten einst Getreide wie Gerste, Hirse und Dinkel und verarbeiteten es mit Kräutern und Salz zu einem Teig.

In der Casa Toscana wird die Pinsa Romana aus Weizen-, Reis- und Sojamehl zu einem knusprigen Sauerteig verarbeitet. Entscheidend ist die extrem lange Ruhezeit des Teigs: 72 Stunden. Das macht die Pinsa besonders bekömmlich. Am Nebentisch teilt sich ein Pärchen eine Pinsa und lässt mich gestenreich wissen, wie sehr ihnen das Gericht mundet.

Mir ist jedoch nach einem Fleisch- oder Fischgericht. Ich denke an das florentinische Riesensteak in Lucca. Mein Blick fällt auf eine Tagliata di Manzo mit Parmesan und Rucola. „Comme Mamma Italia“ – das beschreibt die Küche der Casa Toscana gut, aber nicht vollständig. Denn sie geht längst über das rein authentisch-Italienische hinaus. Hier scheut man sich nicht, den Blick zu öffnen und andere kulinarische Einflüsse aufzunehmen. Meine Wahl fällt schließlich auf Fisch: Tagliata di tonno con alghe, germogli e salsa Teriyaki.

Ein Gericht wie ein Gedicht – und ein Dienst am Gast. Der Teller ist angewärmt, der Thunfisch im Chia- und Sesammantel perfekt auf den Punkt gegrillt und fächerförmig um die Tagliata arrangiert. Algen, Soja und Wasabi-Kohl harmonieren hervorragend mit dem Fisch. Unprätentiös, klar, konzentriert. Herrlich unaufgeregt und köstlich.

Andrea Tranchina, Padrone der Casa Toscana in Bergisch Neukirchen, und seine Frau Pina pflegen hier eine gediegene Gastfreundschaft. Dunkle Holztöne bestimmen das Mobiliar, die Tische sind fein eingedeckt, große Spiegel verleihen dem Raum eine lichte Grandezza. Im Restaurantgarten setzen wenige Skulpturen zurückhaltende Akzente. Überbordend sind hier nur die Herzlichkeit, mit der die Gäste bewirtet werden, und die Qualität der Speisen.

Zum Abschluss gibt es einen Espresso mit guter Crema. Als ich wieder vor der Tür der Casa Toscana stehe und Landluft atme, bin ich ganz beseelt. Gute Küche ist manchmal nichts anderes als eine gelungene Reise – ganz ohne Koffer.

Hendrik Neubauer

 

Casa Toscana
Burscheider Straße 422
51381 Leverkusen

Tel.: 02171-7430704

Casa Toscana

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